Aktuelles - Corona

Praxis - Netiquette

Aus aktuellem Anlass: Coronavirus und Schwangerschaft – Wir sind uneingeschränkt für Sie da!

 

Corona ist in Deutschland angekommen: Aus medizinischer Sicht war dies nur eine Frage der Zeit.

 

Schwangerschaft ist ein stetig sich weiterentwickelndes Geschehen, das in der ärztlichen Begleitung an den unterschiedlichen Meilensteinen der kindlichen Entwicklung KEINEN AUFSCHUB erlaubt:  Vor diesem Hintergrund sehe ich mich in der Verantwortung, Ihnen die spezialisierte pränatalmedizinische Gesundheitsversorgung auch und gerade in dieser besonderen Zeit uneingeschränkt anzubieten.

 

Als Gesundheitseinrichtung unterliegen wir den jeweils aktuellen Auflagen bzw. Richtlinien der Landesregierung. Diese besagen (§ 28b Abs. 2 Satz 1 Infektionsschutzgesetz), dass Begleitpersonen (Besucher) die Praxis NICHT  betreten dürfen. Begleitpersonen gelten dann nicht als Besucher im Sinne des § 28b Abs. 2 Satz 1 Infektionsschutzgesetz und müssen somit nicht getestet werden, sofern die behandelten, betreuten, gepflegten oder untergebrachten Personen im Rahmen ihrer Therapie, zur Förderung des Behandlungserfolges oder im Alltag auf die Begleitpersonen angewiesen sind.

Wie ist das individuelle Corona-Gefährungspotential durch SARS-Covid-2 einzuschätzen?

Corona ist für ansonsten gesunde, junge Menschen nach derzeitigem Wissensstand gesundheitlich natürlich ernst zu nehmen, aber in aller Regel nicht (lebens-) bedrohlich. Hierzu sprechen die medizinisch-wissenschaftlichen Daten, besonders die epidemiologischen Daten des Statistischen Bundesamts mit den altersbezogenen monatlichen Sterbefällen in der deutschen Wohnbevölkerung eine recht klare Sprache: Die meisten betroffenen Personen durchleben die Infektion mit keinen (besonders Kinder) oder nur geringen klinischen Symptomen (Atemwegsinfekt).

 

Gesundheitlich gefährdet sind dagegen folgende Personengruppen: Alte Menschen über 70 Jahre, Menschen mit Übergewicht, immobilisierte, chonisch-bettlägrige und mehrfach-kranke Personen, Menschen mit vorbestehenden Lungen – und Herz-Kreislauferkrankungen (COPD (gehäuft bei langjährigen Rauchern), chron. Bluthochdruck, Diabetes), besonders bei Vorliegen einer Kombination dieser chronischen Gesundheitsbeeinträchtigungen. Auch gefährdet sind Menschen mit angeborenen (erblichen) wie erworbenen Stoffwechsel- bzw. Gerinnungsstörungen und Autoimmunerkrankungen. Hier kann je nach individueller Situation die Infektion schwer und ggf. auch tödlich verlaufen. Dieses biologische Verhalten teilt SARS-CoV-2 mit vielen anderen Erregern von infektiösen Atemwegserkrankungen: Nach den wöchentlich aktualisierten Angaben der Arbeitsgemeinschaft Influenza am Robert-Koch-Institut  macht SARS-CoV-2 je nach Jahreszeit ca. 5-15% der Erreger von klinisch relevanten Atemwegserkrankungen (ARE – Akute respiratorische Erkrankungen) aus.

 

Was die generelle Sterblichkeit an oder mit COVID-19 anbelangt, variieren die Daten je nach Definition (IFR – Infection fatality rate, CFR – Case fatality rate) und untersuchter Populations-Stichprobe. Sie bewegt sich über alle Altersklassen gemittelt in einem Bereich von 0,2 bis 1% (Ioannidis 2020a, Luo 2021) und ist in Ländern mit einem hohen Anteil an älteren Menschen in der Gruppe der unter 65-jährigen 50-100x niedriger als in der Gruppe der über 65-jährigen (Ioannidis 2020b). Damit berechnet sich das kalkulatorische Risiko eines mit Corona infizierten gesunden Menschen, der jünger als 65 Jahre ist, dafür, hieran zu versterben, in einen Bereich von 0,002% bis 0,02% ( = Bereich zwischen 1:5000 und 1:50.000). Diese Erkenntnis ist für die individuelle Risikoeinschätzung bei Schwangeren entscheidend, da sie zunächst einmal zur Gruppe der unter 65-jährigen zählen.

 

Schwangere sind jedoch grundsätzlich bereits deswegen als Risikogruppe einzustufen, da Schwangerschaft an sich zu einer generellen Erhöhung der Empfänglichkeit gegenüber Infektionen führt und die Regulationssysteme des Körpers in der Schwangerschaft (Beispiel: Gerinnung,  Glucosetoleranz) störanfälliger sind. Dies führt zunächst grob zu einer Verdoppelung des Risikos im Vergleich zu Nichtschwangeren gleichen Gesundheitszustandes (Jafari 2020) und kann durch sonstige individuelle Gesundheitsmerkmale (u.a. Körpergewicht) weiter stark nachteilig beeinflusst werden.

 

Insoweit machen solche Anstrengungen Sinn, die darauf abzielen, die grundsätzlich nicht vermeidbare Virusverbreitung hin in vulnerable Bevölkerungsgruppen wie die der älteren Menschen und/oder Mehrfachkranken zu verlangsamen (AHA). Ein verschiedenerseits gefordertes bzw. anvisiertes “Verhindern” einer Coronadurchseuchung (Zero COVID, Null COVID) ist biologisch bei einem hochinfektiösen Atemwegs-Virus nicht möglich und von daher bereits konzeptionell und als “Wording” gesundheitspolitischer bzw. ordnungspolitischer Unfug. Wohl aber können bis zum Erreichen der durch die Impfung geförderten, generell angestrebten Druchseuchung der Bevölkerung die ebenfalls grundsätzlich nicht vermeidbaren Infektions-Wellen durch AHA und Impfung abgeflacht und in die Länge gezogen werden: Eine erfolgte Impfung bzw. durchgemachte Infektion bedeutet erworbene Antikörper gegen Corona und infolgedessen einen milderen Verlauf bei Reinfektion. Generell sind Reinfektionen nach Impfung bei Viren mit einem hohem Veränderungspotential seiner Antigene (an dieser Stelle verhält sich Corona ähnlich wie Influenza) normal. Insoweit ist der in den Medien benutzte Ausdruck “Impfdurchbruch” für eine Coronainfektion nach Impfung medizinisch betrachtet irreführend und damit nicht hilfreich.

 

Mit Hilfe der ergriffenen Maßnahmen konnte so erfolgreich eine akute Überlastung des Gesundheitssystems (Szenario von mehr beatmungspflichtige Patienten als Beatmungsplätze) verhindert werden, wie die in der DIVI-Zeitreihe der Intensivbelegung in deutschen Krankenhäusern seit Mai 2020 erfasste Gesamtzahl der belegten Intensivbetten eindrucksvoll belegt: Diese weist seit Beginn des Auftretens von SARS-CoV-2 eine durch die Coronawellen praktisch nicht beeinflusste konstante Höhe von 20.000 belegten Betten auf, von denen Coronapatienten in den Spitzen der jeweiligen Wellen anteilig max. 25% ausmachten. SARS-Cov2-Atemwegsinfektionen haben sich seit Ihrer Ersterfassung 2019/2020 als eigene Untergruppe der akuten infektösen Atemwegserkrankungen damit im Spektrum der potentiell schweren Atemwegserkrankungen etabliert und werden uns wie SARS-CoV1 seit 2003 und MERS seit 2012 weiter begleiten.

 

Das Wissen zur speziellen Risikoeinschätzung bei Schwangeren wächst zusehends. Sachdienliche Informationen finden Sie auf im Bereich “SARS-CoV 2” auf der Homepage des RKI – Robert-Koch-Instituts.